HOT ROD HISTORY


Hot Rod History.
 
Das Thema Hot Rod ist insgesamt so umfangreich, das man darüber ganz viele dicke Bücher schreiben könnte.
Ich möchte in dieser Sektion daher nur einen kleinen, komprimierten Einblick
über die Hintergründe des Hotroddings geben. Dies geschieht natürlich aus meiner eigenen, ganz persönlichen Sichtweise und muss nicht zwangsläufig die Meinung anderer Rodder widerspiegeln.

Besonders bei meiner Definition über die verschiedenen Stile, könnte man einige kontroverse Diskussionen auslösen, aber viele Bauformen überschneiden sich nun mal und so ist es nicht ganz einfach, immer eine klare Linie zu ziehen.
Somit bitte ich schon im Vorfeld um etwas Verständnis, falls hier jemand eine andere Meinung vertritt. Seht das einfach ein bischen locker.

Ich bin selbst bereits viele Jahre mit der US-Car-Szene vertraut und seit 1993 auch mit einem eigenem Rod auf den Straßen unterwegs. Als Mitbegründer der GRO/GSRA habe ich die gesamte Entwicklung, speziell hier in der deutschen Rodszene, sehr gut mitverfolgen können.

Vielleicht befindet sich ja hier die Antwort, auf die eine oder andere Frage.
 

Was ist denn eigentlich ein Hot Rod?
 Um die exakte Definition streiten sich seit Jahrzehnten die Hardliner und
selbsternannten Rod Experten.

Direkt übersetzt ist ein Hot Rod eigentlich ein “heißes Pleuel“. Es könnte aber auch einen anderen Ursprung haben.

Bei der grundsätzlichen Definition, was denn nun ein Hot Rod eigentlich sei, sind sich jedoch die meisten darüber einig:
Ein Hot Rod ist ein, nach den eigenen Vorstellungen des Besitzers, umgebautes und getuntes Fahrzeug, mit vier Rädern, Frontmotor und Hinterradantrieb.

In Amerika werden oft auch ein Camaro, Mustang, Charger oder andere Musclecars und Customs, als Hot Rod bezeichnet, was hier wiederum für einige Verwirrung sorgt. Umgebaute, leistungsorientierte Fahrzeuge, mit einem Baujahr vor 1949, bezeichnet man in den USA wiederum häufig als Streetrod. Das ist ziemlich logisch und versteht doch Jeder!
Oder etwa nicht?
 
Das Hotrodding ist dabei für viele eine Philosophie geworden und steht dabei für eine ganz bestimmte Lebenseinstellung. Aus der Tradition heraus, haftet den Roddern immer noch das Image des Rebellen und Outlaw an.
Man(n) identifiziert sich eben gerne mit dem Mythos von Freiheit und Abenteuer (Beispiel: Easyrider). Vielleicht deshalb, weil man seinen gesellschaftlichen Zwängen und Verpflichtungen im realen Leben, heute kaum noch wirklich entfliehen kann.

Hotrodding und Oldskool liegt derzeit voll im allgemeinen Trend und das ist kaum noch zu übersehen. Ständig begegnen einem mattschwarze Autos und Bikes, die sich, aufgepeppt mit roten Stahlfelgen und Weißwandreifen und “verziert“ mit Pinstripes, als Hot Rod “verkleiden“. In einem größeren Möbelhaus entdeckte ich vor kurzem sogar Bettwäsche mit einem eisernen Kreuz drauf.
Bei aller Toleranz, aber so etwas braucht doch kein Mensch.
 
 
Die Anfänge.
 
Hot Rods sind keine Erfindung der Neuzeit! Es gibt sie schon seit den 20er Jahren, denn alles begann bereits mit den ersten Automobilen.
 
Anfangs ist man mit den Autos noch über Äcker, Feldwege oder Strände um
die Wette gefahren. Schon damals wurden die Autos frisiert und aufbereitet, um damit Wettrennen auszutragen.
Als gängige Praxis wurden dazu Kotflügel, Hauben, Stoßstangen und jeder andere Ballast demontiert, um unnötiges Gewicht abzuspecken. Die bevorzugten Modelle waren natürlich die offenen und ohnehin deutlich leichteren Roadster.
 
Aha! Wurde der Begriff "Hot Rod" eventuell von "Hot Roadster" abgeleitet???
Nun, das sind wohl alles nur Spekulationen. Wer wird das heute noch so genau sagen können, das liegt ja alles schon viele Jahrzehnte zurück.
 
 
Wer ein schweres Coupe hatte und dem diese Maßnahmen nicht ausreichten, der
hat dann zusätzlich die Dachstreben zersägt, gekürzt und das ganze Dach ein paar
Zoll tiefer wieder angeschweißt. Bei späteren Modellen, mit runderen Linien ist dies jedoch ein immenser Aufwand, da das Dach in mehrere kleine Sektionen eingeschnitten werden muss.
Der Luftwiderstand mit so einem "gechoppten" Dach war dann deutlich geringer und das brachte im Ergebnis wieder deutlich mehr Speed.

Manche Jungs haben dann die gesamte Karosserie zusätzlich "gechannelt".
Der Aufbau wird hierfür komplett demontiert und tiefer über dem Rahmen wieder aufgesetzt. Dazu muss allerdings auch der gesamte Wagenboden herausgetrennt und etwas höher wieder eingeschweißt werden.

Meistens nutzte man als Rod Basis übrigens die Modelle der Firma Ford, besonders beliebt waren die Modelle von 1929 bis 1934.
Gerne hat man auch den stabileren Rahmen eines Ford von 1932 mit einem leichteren Aufbau des Model A Roadsters der Vorjahre kombiniert.



Im Jahre 1932 kam der große Durchbruch und der erste V-8-Motor von Ford
wurde angeboten. Die charakteristischen, flachen Zylinderköpfe, gaben ihm bald den Namen “Flathead“.
Das moderne Triebwerk hatte ab Werk schon seine 60 Pferdchen und wurde schnell zum beliebten Tuningobjekt, zu dem es vorerst auch keine weiteren Alternativen gab. Allzu robust und standfest war dieser Motor jedoch anfangs noch nicht. Besonders nach einer kräftigen Leistungssteigerung, starb so manches Aggregat den Hitzetod.



Waren aber solche hochgezüchteten Motoren, in einem abgespeckten Roadster verbaut, konnten die Cops nur noch müde hinterher schauen.

Kurze Zeit später zogen Mercury, Buick, Oldsmobile, sowie einige andere Hersteller ebenso mit V8-Motoren nach. Der heute so beliebte Chevy Small Block V8
erschien jedoch erst sehr viel später, nämlich im Jahre 1955. Die preiswerten Motoren, aus dem Regal von General Motors , mit überwiegend 5,4 oder 5,7 Liter Hubraum, sind bis zum heutigen Tage das Standard-Aggregat im Rodbau.
 
In den Vierzigern wurden in den USA auch schon die ersten kleineren
Speedshops gegründet, die in Kleinserie angefertigte Tuningteile anboten.
Viele große Namen, wie Moon, Hallibrand oder Edelbrock, existieren auch heute noch. Sie produzieren jetzt industriell gefertigtes Tuning-Zubehör für alle Fahrzeugtypen -Massenware für eine breite Käuferschicht.



Ein junger Mann konnte sich damals finanziell kaum einen Zweitwagen leisten und so wurde der Hot Rod oft unter der Woche als ganz normales Alltagsauto genutzt.
Am Wochenende ließ man es dann wieder ordentlich krachen und fuhr zum
Unmut der Sheriffs wieder die allseits verbotenen Rennen.

Entweder cruiste man langsam und suchend durch die Stadt oder man traf sich an den ständig wechselnden geheimen Plätzen. Hatte man dann einen würdigen Gegner gefunden, wurden die "Fuzzy-Dices", (die legendären Plüschwürfel) von innen nach außen an den Spiegel gehängt, um seine Bereitschaft fürs Rennen zu signalisieren.
Diese Würfel waren damals noch von der Liebsten aus Wolle gehäkelt und wurden von den amerikanischen Bomberpiloten im II. Weltkrieg gerne als Glücksbringer bei ihren Kampfeinsätzen mitgenommen. Sie sollten dann auch nach dem Krieg beim Rennen für das nötige Glück sorgen.
Man trat häufig für Geld gegeneinander an und nicht wenige Rodder bestritten damit ihren Lebensunterhalt oder finanzierten zumindest ihr teures Hobby.



Das die Polizei so gnadenlos gegen die Fahrer durchgriff, hatte durchaus seine guten Gründe. Sehr häufig gab es schwere Unfälle und nicht selten endeten diese mit dem Tod.
Diese Tatsache lag weniger an dem mangelnden fahrerischen Können der Leute, sondern vielmehr an den dilettantisch durchgeführten Umbauten. Oft waren blutige Laien am Werkeln, denen es häufig am nötigen technischen Know How fehlte. Nicht jeder Autobastler beherrschte die hohe Kunst des Schweißens oder hatte einen Plan von einer funktionierenden Fahrwerksgeometrie.
 
Aber neben den gefährlichen Straßenrennen, gab es auch einen legalen Weg, um seine Kräfte messen zu können.
Auf den ausgetrockneten Salzseen, wie beispielsweise in Bonneville, fanden schon in den dreißiger Jahren die ersten Highspeed Rennen statt. Schon sehr frühzeitig hat man hier sehr strenge Sicherheitsstandards festgelegt und klare Reglements eingeführt und, um ein Unfallrisiko für die teilnehmenden Fahrzeuge zu minimieren.



Das, auch hierzulande mittlerweile sehr beliebte, Drag Racing, hatte seine
Wurzeln ebenso in den illegalen Ampelrennen. Es erschloss sich aber erst nach
dem Ende des zweiten Weltkrieges der breiten Masse.



Das Comeback
 
Irgendwann nach dem 2. Weltkrieg, als viele GIs wieder in ihre Heimat zurückgekehrt waren, wurde so mancher eingestaubte Rod wieder aus der Garage geholt und fahrbereit gemacht. Plötzlich erlebte das klassische Hotrodding einen enormen Aufschwung, um jedoch, gegen Mitte der 50er Jahre, bereits seinen Zenith zu erreichen.



Auf den Dragstrips dominierten mittlerweile die leichten Dragster und Funnycars. Speziell konstruierte Rohrrahmen, aufgeladene Kompressormotoren und breite Slicks -da brauchte so manch einer, für einen Spurt auf der 1/4 Meile, keine 10 Sekunden mehr.
 
Im Jahre 1956 begann der Kustom Urvater Ed “Big Daddy“ Roth damit, seine ersten Erfahrungen mit GFK Karosserien zu sammeln. Als er dann seinen legendären “Outlaw“ erschuf, markierte er mit diesem Rod eine völlig neue Stilrichtung.

Viele Hot Rods mutierten bald zu kaum noch fahrbaren wilden Showcars. Extrem übermotorisierte Autos, in knalligen Glitter-, Glitzer- und Metallic-Effektlacken, zusätzlich mit Flames oder Scallops dekoriert, waren voll angesagt. Fahrende Särge, Badewannen, Klohäuschen, Betten, Milchlaster und andere skurrile Vehikel, oft mit mehreren riesigen Blowermotoren, konnte man auf den Showgrounds bestaunen.
Im Vordergrund stand die Show, man wollte um jeden Preis auffallen.

Viel Chrom, Glitzerlacke und dicke, breite Reifen, dominierten seinerzeit auch das Erscheinungsbild der Rods auf der Straße.
Amerika erlebte die große Ära der starken, schnellen Musclecars und da musste man schon etwas ganz besonderes bieten, wenn man sich aus der breiten Masse herausheben wollte.



Dann ist es eine ganze Weile in der gesamten Rodszene ziemlich ruhig geworden.
In den meisten Hot-Rod Schmieden konzentrierte man sich mehr auf Customs, Muscels, und Streetmachines, weil das die Käufer verlangten.
Man sah zwar immer noch viele Hot Rods, aber der ganz große Boom, war eigentlich schon längst wieder vorbei.
 
Erst viele Jahre später sollte wieder Bewegung in die Hot Rod Szene kommen.



Eine Lebensphilosophie feiert ihr zweites Comeback
 
Ausgelöst durch den Film "Easy Rider", erlangte die Motorradmarke Harley-Davidson einen Kultstatus, der die Marke nach oben katapultierte und der noch bis heute anhält.
Ähnliches zeichnete sich auch ab, als der Film "American Graffiti" dann weltweit in die Kinos kam.

Viele ältere, mittlerweile ergraute Rodder, entsannen sich ihrer Wurzeln und das Streetrodding boomte plötzlich wieder, wie nie zuvor. So mancher Rod wurde, nach
Jahrzehnten der Ruhe, wieder aus der Scheune ausgegraben und zu neuem
Leben erweckt.

Na? Kommt uns diese Geschichte nicht irgendwie bekannt vor?



Das Image der Rodder hatte sich mittlerweile ja auch gebessert, denn die wilden
Jungs sind allesamt ein wenig älter und ruhiger geworden. Das, was ehemals als Protestbewegung begann, entwickelte sich langsam zur Freizeitgestaltung für die ganze Familie.

Im Laufe der Jahrzehnte, entwickelte sich rund um den Globus, ein großer Markt für Hot Rods und Street Rods, und allem was dazu gehört. Heute kann man bequem sämtliche benötigten Teile für einen Hot Rod, perfekt passend und nagelneu, in einem Shop kaufen.



Wer seinen Rod nicht komplett selber aufbauen möchte, entweder weil er technisch dazu nicht in der Lage ist oder weil er sich die Finger nicht schmutzig machen möchte, lässt sich sein Traumauto von einem der unzähligen Rodshops ganz individuell zusammenbauen. Es können dabei auch wieder alte Originalteile verwendet werden, ganz nach dem vorgegebenen Preislimit und nach den Wünschen des Kunden.
Komplett fix und fertige (Factory-) Rods werden heute ebenso in allen Variationen angeboten, da muss man sich nur noch reinsetzen und den Zündschlüssel umdrehen.
Alternativen, zu einem komplett fahrfertig aufgebauten Rod, gibt es in den USA praktisch an jeder Ecke. Man kann sich an vormontierten Fahrzeugen bedienen und die Endmontage in Ruhe selbst zu Hause durchführen. Es gibt alle verschiedenen Baustufen im Handel, vom einfachen Rolling Chassis, mit oder ohne Motor, bis hin zum halbwegs fahrbereiten Rod, wo nur noch Interior, Lackierarbeiten und diverser Kleinkram fertig zu machen sind.
Man sollte natürlich stets über die entsprechenden Finanzen verfügen, ganz billig ist auch ein Bausatz nicht. Optisch oder technisch gibt es keine Limits, alles ist möglich –solange es der Geldbeutel nur zulässt. 



Da die originalen Steelbodies für Rodprojekte immer schwerer zu finden sind, werden heute überwiegend Aufbauten aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) verwendet. Es gibt aber mittlerweile ein paar Spezialisten, die auch nagelneue Karosserien aus Stahl anfertigen. Diese hochwertigen Repliken entsprechen weitgehend dem originalen Vorbild und sind teils so perfekt gearbeitet, das man sie nur schwer von einem alten Steelbody unterscheiden kann.
Diese sind fast alle, ebenso wie die GFK-Bodies, bereits fertig gechoppt.

Anstatt die alten Originalrahmen aus U-Profilen zu verstärken (Boxen), verbaut man heute häufiger moderne neue Chassis, die eine wesentlich höhere Steifigkeit aufweisen. Schließlich soll die Motorleistung ja auf die Straße gebracht werden. Sicherheitsrelevante Standards, wie Einzelradaufhängung, Servolenkung, Sicherheitsgurte und große Scheibenbremsen, sind in einem modernen Rod
heute nicht mehr wegzudenken. In Deutschland sind solche Street Rods, die auf einem neuen Rahmen basieren, allerdings nur noch bedingt zulassungsfähig, doch dazu später mehr.

Die Geschmäcker und somit die Stile, haben sich in den vielen Jahren deutlich gewandelt.
Während sich früher jedes Teil am Fahrzeug, ausschließlich um die Optimierung der Geschwindigkeit drehte, steht bei den heutigen Street Rods nicht mehr nur die Leistung im Vordergrund.
Die neueren Rods sind zwar immer noch verteufelt schnell, es wird jedoch
ebenso viel Wert auf eine luxuriöse Verarbeitung des Interiors, eine Top-Lackierung und eine saubere Umsetzung der edlen Technik gelegt.
Man kann sagen, das ein moderner High Tech Rod, jedem Neuwagen vom Fließband qualitativ weit überlegen ist, denn hier wird noch alles in Handarbeit oder Kleinstserie angefertigt und manuell genau eingepasst.



In keiner anderen Fahrzeuggattung, findet man so viel Individualität, wie bei den Rods. So kann man auch auf einem größeren Rod Meeting, wie z. B. den Street Rod Nats (= Nationals), eigentlich alles Mögliche an verschiedenen Styles antreffen, jedoch niemals zwei identische Fahrzeuge.
 
Da stehen zum Einen komplett alte Auto,s neben Fahrzeugen mit alten Bodies und
neuem GFK-Aufbau und zum Anderen wiederum komplette Neufahrzeuge,
querbeet gemischt nebeneinander. Der superteure und edle Hightech Street Rod, parkt neben einer geprimerten oder mattschwarz gestrichenen, oldstyligen Hot Rod Ratte. Die beiden sind so gegensätzlich, wie es eigentlich nur sein kann.

Haben denn diese Fahrzeuge überhaupt noch etwas gemeinsam?

Womit wir uns hiermit der Definition "Street Rod" und "Hot Rod" annähern.

Hot Rod oder Street Rod?
 
Hier in Deutschland ist die Definition überwiegend diese:

Ein Hot Rod ist ein umgebautes, leistungsgesteigertes altes Fahrzeug vor
dem Baujahr 1949, mit originalem Steelbody und mit überwiegend
verbauten alten Teilen.
Unter einem Hot Rod verstehen die meisten Leute das klassische Design, also schmale Diagonalreifen (möglichst Weißwand) auf lackierten Stahlfelgen, Starrachse vorn und hinten, rundherum Trommelbremsen. Ein altes, aber getuntes Triebwerk –das gehört natürlich ebenso dazu.



Ein richtiger (Oldstyle-) Hot Rod, ist häufig in der Farbe (matt-) schwarz gehalten oder man lehnt sich an die damals gebräuchlichen Originallacke an. In den 40er bis 50er Jahren, waren überwiegend gedeckte Farbtöne üblich, leuchtendes Neonpink war noch nicht erfunden.
Wer damals einfach nur schnell sein wollte, hat für edlen Lack sowieso kein Geld ausgegeben, sondern eher in einen schnellen Motor investiert.
 
Ein Street Rod dagegen ist ein Neuaufbau oder sogar ein kompletter Neuwagen,
im optischen Stil der Fahrzeuge vor dem Baujahr 1949. Das können sowohl alte Originalchassis oder aktuelle Nachbauten sein.
Neben den neuen Aufbauten aus GFK, werden in letzter Zeit auch neue Karosserien aus Stahlblech angeboten, die, von den Abmessungen her, sogar weitgehend mit den alten Originalteilen identisch sind. Aber das hatten wir ja vorher schon erwähnt.
All das sind nur grobe Anhaltspunke, eine 100%ige Abgrenzung gibt es nicht.



Überwiegend sind die amerikanischen V-8 Chevy Smallblock Aggregate mit
5 bis 6 Litern Hubraum verbaut, hier und da sieht man einen V8 von Ford oder Chrysler, etc. vereinzelt auch mal einen Big Block mit 7 bis 8 Litern Hubraum.
Auch in Deutschland sehr rar, sind die europäischen V8 oder V12 Motoren. Nur selten bedient man sich bei BMW, Audi, Mercedes, VW oder Jaguar, bei Frontantrieb sind die Anpassungen an das Getriebe auch sehr aufwändig.
Fahrzeuge, mit einer Leistung jenseits der 300 PS-Marke, sind dabei keine Seltenheit.

Natürlich werden dabei auch die Fahrwerke der höheren Leistung angepasst.
Einzelradaufhängung, verstärkte Achsen, Bremsen, Lenkung, Stoßdämpfer, Tieferlegung, Felgen und Bereifung -oft ist das "volle Programm" nötig, um
die geballte Power dann auch halbwegs auf die Straße zu bekommen.

Besonders wichtig, für einen guten Street Rod, ist auch ein sauber verarbeitetes Interior. Vorzugsweise werden hierfür nur allerfeinste Ledersorten und edle Stoffe verwendet. Hochwertige technische Unterhaltungselektronik gehört natürlich auch dazu. Air-Condition, High-End HiFi-Systeme, Navi, DVD-Player mit Flachbildschirm bis hin zu installierten Videospielen -da kann so mancher Serienwagen vom Fließband einpacken.



Im Grunde sind Street Rods nichts anderes, als komfortable Fahrzeuge mit hochmoderner Technik und einem alten Look.

Trotz noch so unterschiedlicher Technik, so überwiegen ansonsten bei Hot Rods und
Street Rods doch eher die Gemeinsamkeiten.

Auf den Punkt gebracht heißt das:
Bei einem Street Rod, liegen Politur, Reifenschaum und ein California Car Duster im Kofferraum, während man in einem Hot Rod diverses Werkzeug, Ersatzteile und eine Rolle Draht mit sich führt.

Allesamt, sind es, individuell nach dem Besitzer umgebaute, straßentaugliche Fahrzeuge, mit vier Rädern, längs eingebautem Frontmotor und Heckantrieb über Kardanwelle. Die Basis ist dabei immer ein klassisch designter Leiterrahmen mit aufgesetzter, nicht selbsttragender Karosserie.
Der Aufbau soll natürlich optisch weitgehend einem Fahrzeug vor Baujahr 1949 entsprechen.
 
Nicht jeder Rodfreak legt besonders großen Wert auf einen original restaurierten
Zustand. Viel höher sollte die Umsetzung origineller Ideen und eine handwerklich saubere Arbeit bewertet werden

Auf vielen Rod Treffen spielt es keine besondere Rolle, ob es sich um ein original altes oder um den Nachbau eines solchen Fahrzeugs handelt. Meistens sind völlig verschiedene Stile anzutreffen und es stört sich niemand daran, wenn rostiger Stahl neben glänzendem Plastik geparkt wird. Die Grenzen sind fließend und es sollte erlaubt sein, was gefällt.
Die Rodder spalten sich hier jedoch in zwei Lager, denn längst nicht alle sehen das so tolerant.  


Warum eigentlich pre 49?
 
Die Begrenzung auf Baujahre vor 1949 (=pre-49) ist einfach zu erklären,
es liegt einfach an der Form und Konstruktion der Karosserie.
Bis zum Modelljahr 1948 wurden in den USA überwiegend noch Vorkriegsmodelle verkauft, also Fahrzeuge, die noch die typische "Schnauferloptik" aufweisen. Der Aufbau sitzt auf einem einfachen Leiterrahmen, der Kühlergrill steht senkrecht im Wind und die Scheinwerfer waren noch nicht in die Kotflügel integriert.

Nur ganz wenige Hersteller, darunter auch die Nobelmarke Cadillac,
konnten schon 1948 mit einer völligen Neukonstruktion aufwarten.
Die neuen Modelle, mit selbsttragender Pontonkarosserie, erschienen dann bei den anderen Automobilfirmen erst ab 1950 auf dem Markt.

Natürlich gibt es bei pre 49 auch Ausnahmen.
So ist selbstverständlich ein Mercedes vom Typ 170, mit dem späten Baujahr von 1954, optisch zweifelsfrei auch ein Rod. Hier sollte man einfach berücksichtigen, das der Zeitpunkt der Konstruktion schon sehr viele Jahre früher stattgefunden hat.
Der erste Mercedes 170 wurde ja schon im Oktober 1931 auf dem Automobilsalon in Paris vorgestellt.



Im Ausland wird die Altersgrenze von 1949 allerdings recht unterschiedlich gehandhabt. Während auf der britischen Insel auch jede Art von Custom-Cars, sowie alles andere, was irgendwie cool ausschaut, auf Hot Rod Events zu sehen ist, so hält man in anderen Ländern strikt an dem pre 49 Entree fest.



Die Styles 

Ich bin ja vorher schon kurz auf verschiedenen Styles eingegangen, hier sind nochmals die wichtigsten Spielarten in Kurzform. Es gibt dabei allerdings keine feste Regelung und meine Klassifizierung dient daher nur als grobe Richtlinie.


Street Rod

Der Street Rod ist überwiegend mit aktueller Technik ausgestattet. Hochwertiges Interior, edler Lack und dazu moderne Räder, dominieren das Erscheinungsbild dieser High Tech Rods. Viele zeitgemäße Tuningelemente aus den Custom Cars fließen hier mit ein, wobei die alte Karoserieform weitgehend erhalten bleibt.


Pro Street Rod

Der “Pro Streeter“ ist eine Unterart der Street Rods. Mit besonders starken V8-Motoren, oft mit Blower und Lachgas-Unterstützung. Das wichtigste Erkennungsmerkmal, sind die sehr breiten Hinterreifen, die noch innerhalb der Kotflügeln sitzen. Damit der Wagen insgesamt nicht breiter erscheint, werden die Hinterachsen entsprechend stark gekürzt.


Billet Rod

Auch der Billet Rod ist eigentlich ein Street Rod. Wertvolle Anbauteile, die statt aus Guß, aus einem vollen massiven Aluminiumblock herausgefräst / gedreht und auf Hochglanz poliert wurden. Sie dominieren optisch das Interior und den Motorraum.


Show Rod

Ebenso der Gattung der Street Rods zugehörig, sind die reinen Show Rods. Einige davon werden in den USA speziell für die Nationalen Automobil Ausstellungen konzipiert und gebaut, wie z. B. AMBR (Americas best Roadster), Autorama, NAIAS, usw.


Hi Boy / Low Boy

Eine spezielle Bezeichnung für einen Rod ohne Fender. Während der Body bei einem Hi Boy (High Boy) immer auf der Originalhöhe montiert wird, ist der Body eines Low Boy gechannelt und liegt wesentlich tiefer über dem Asphalt.


Traditionel Rod

Ein authentisch neu aufgebauter oder zeitgenössisch restaurierter Rod, der ausschließlich mit solchen Teilen hergestellt wurde, die in dem damaligen Zeitabschnitt auch verfügbar waren. Die Lackierung entspricht den damaligen Möglichkeiten. Für die Lackierung werden daher meist gedeckte Farben verwendet. Den Zustand solcher Top-Fahrzeuge bezeichnet man oft als “period perfect“.
Eigentlich der typische Inbegriff eines Hot Rods.


Ol´ Skool Rod

Ähnlich dem Traditionel Rod aufgebautes Fahrzeug, jedoch eher im typischen Stil der 40er bis frühen 60er Jahre gehalten. Sollte möglichst ein Steelbody sein, denn GFK ist hier eher verpönt. Die Lackierungen sind oft matt, bevorzugt ist auch Primer (Grundierung), schwarz, grau, oliv, rostbraun. Dazu kombiniert man gerne Weißwand-Diagonalreifen auf klassischen Stahlfelgen (häufig rot lackiert).


Belly Tank Rod

Ein Belly Tank Rod (-Roadster) wurde aus einem alten Zusatztank der WWII Bomber gefertigt. Man schnitt einfach ein paar Löcher für Fahrer und Motor hinein, setzte alles auf einen alten Rahmen und fertig war ein extrem stromlinienförmiger und leichter Rod. Ideal geeignet, um hohe Geschwindigkeiten auf dem Salzsee zu erreichen.


Rat Rod

Ein Rat Rod wirkt auf den ersten Blick wie provisorisches Flickwerk. Völlig verrottet und verrostet steht er da, die Lackierung, falls überhaupt noch vorhanden, ist stumpf und matt, teilweise schauen auch hier und da noch ältere Farbreste durch. Die nachhaltigen Gebrauchsspuren oder Beschriftungen (Lettering) sind nicht immer echt und mancher Rat-Rod erhält so eine Pseudo-Legende. Wie viel Arbeit in einem künstlichen Alterungsprozess stecken kann, ist für einen Laien kaum nachvollziehbar.



Wie zuvor schon erwähnt, gibt es keine klaren 100%ige Abgrenzungen, viele Stile vermischen sich. Die Bauformen sind auch einer ständigen Veränderung unterworfen, da sich die Geschmäcker immer wieder neu ausrichten.

Manchmal trifft man auf Rods, die auf den ersten Blick sehr alt erscheinen, die es in diesem Style jedoch früher im Original so überhaupt nicht gab. Extrem tief liegende (Rat-) Rods, bei denen die Diagonalreifen fast an das Dach reichen, sind eher neuzeitliche aktuelle Kreationen. Sie sind meistens völlig neu, jedoch unter der Verwendung von altem Stahl, aufgebaut worden.

Aber welcher Style auch immer, die Kreativität ist gefragt!


Am Ende verbindet alle Rodder die große Liebe zur automobilen Technik und der häufige Drang, an der Ampel oder auf dem Dragstrip, ein kleines bischen schneller, als der Andere zu sein.

Hier sind keine hirnlosen Raser am Werkeln, sondern enthusiastische Autonarren, die mit viel Herzblut und Engagement dazu beitragen, eine langjährige Tradition zu erhalten.


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